Geschichte

Hermann Plüss war bevor er seine Firma gründete Kantonspolizist.

Im Herbst des Jahres 1953 gründete Hermann Plüss einen eigenen Gewerbebetrieb. Er hatte in jungen Jahren in der Werkzeugabteilung einer Apparatefabrik Mechaniker gelernt und wollte nun diesen Beruf selbständig ausüben mit dem Bau von Stanzwerkzeugen, Vorrichtungen und Lehren. Mit viel Enthusiasmus und Schulden, aber auch einem enormen Arbeitswillen mietete er an der unteren Marktgasse die Räume einer ehemaligen Spenglerei. Er stellte zwei Mitarbeiter an, kaufte eine Fräsmaschine, eine Drehbank, eine Hobelmaschine und diverse kleinere Apparate und Verbrauchswerkzeuge. Um Kunden hatte er schon vor der Eröffnung geworben. Der Betrieb lief nicht schlecht, doch das Einkommen war sehr gering. An eine Rückzahlung der Schulden war in den ersten Jahren nicht zu denken. Man war froh, die Löhne bezahlen zu können. Die junge Familie musste mit dem Allernötigsten auskommen.

Bald zeigte sich, dass die Werkstatt mit 79 m2 zu klein war. 1954 konnte in den grossen Keller des ehemaligen Postgebäudes (heute Standort des COOP) umgezogen werden. Dadurch vergrösserte sich auch der Umsatz resp. das Einkommen. Da sich ein Hausbewohner über den Lärm der Maschinen beschwerte, wurde der Firma Plüss vor Ablauf des Vertrages gekündigt. Wie in einer gerichtlichen Expertise festgestellt wurde, war die Kündigung nicht gerechtfertigt.

Rita Plüss (1929-2008) zur Zeit der Firmengründung. Sie war Lehrerin und eine erfolgreiche Leichtathletin.

Trotzdem, um sich weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen, zog Herr Plüss 1957 aus. Die Mannschaft war in der Zwischenzeit neben Herrn Plüss auf fünf Werkzeugmacher, zwei Lehrlinge und ein paar Aushilfen angewachsen; z.B. drehte der Schwiegervater, ein frühpensionierter Lehrer, Serienteile. Frau Rita Plüss-Hohler erledigte alle Büroarbeiten. Dank dem gesteckten Ziel, nur einwandfreie Ware zu fairen Preisen zu liefern, etablierte sich die Firma in der ganzen Region. Oft wurde die ganze Nacht hindurch gearbeitet, um eine Bestellung rechtzeitig abliefern zu können. Ein Dienst, den die Kunden, fast alles Grossbetriebe, sehr schätzten.

Als Glücksfall erwies sich der erste Lehrling, Walter Brogli, der bis zu seinem Tod der Firma treu blieb.

Die dritte Station des Betriebes befand sich in der ehemaligen Rohrmöbelfabrik unterhalb der Brauerei Feldschlösschen. Herr Plüss sah voraus, dass die Zukunft einen grossen Bedarf in Spritz- und Pressformen verlangte. Langsam spezialisierte sich die Firma im Bau von Formen für die Herstellung von Steatit-Teilen.

Doch auch dieser Raum in der Breitmatt genügte bald nicht mehr. Vor allem waren die Räume veraltet, die sanitären Anlagen hätten erneuert werden müssen, die Sicherheit war nicht gewährleistet. So entschloss sich Herr Plüss, der in der Zwischenzeit eine Familienaktiengesellschaft gegründet hatte, zu einem Neubau in der Kloos. Die Firma war jetzt für die Banken genügend kreditwürdig, so dass ohne fremde Hilfe, nur mit einer Hypothek, gebaut werden konnte. Wegen unerwarteten Bodenverhältnissen - Felsbänke und Wasserläufe - kam der Neubau viel teurer zu stehen als kalkuliert. Wieder war Sparen bei der Familie angesagt: kein Luxus, nur kurze Ferien.

Die zweite Generation Gerlinde und Bruno Plüss

1964 konnte die Fabrik bezogen werden. Das Schicksal meinte es mit der Firma gut. Spritz- und Pressformen waren gefragt, besonders für die Herstellung technischer Teile. Herr Plüss erkannte die Notwendigkeit, sich auf Formen für Kunststoffteile zu spezialisieren. Alle Mitarbeiter, vor allem der Werkstattleiter Herr Brogli bildeten sich in dieser Sparte weiter. Immer genauere Maschinen mussten gekauft werden. Wo möglich, wurde automatisiert.

Da der 1954 geborene Sohn Bruno Plüss Freude am Betrieb seines Vaters zeigte, bildete er sich zuerst zum Werkzeugmacher, später zum Kunststoffingenieur aus. 1979 trat er in die Fabrik ein, wo er anfangs hauptsächlich für die Konstruktion der Formen verantwortlich war. Schon ein Jahr später erkrankte Hermann Plüss. Die Kraft fehlte ihm, die ständigen Neuerungen und Bedürfnisse im Formenbau mit zu tragen. Er verstarb 1987. Seit 1980 trägt Bruno Plüss die Alleinverantwortung für die Firma. In der Folge wurden immer kompliziertere Formen für immer höhere Stückzahlen gebaut. 1985 und 1995 wurde die Firma erweitert. Obwohl die Anzahl Mitarbeiter gleich blieb, musste die Produktionsfläche mehr als verdoppelt werden. Der Exportanteil in den EU-Raum wuchs seit 1982 auf über 50%. Als einer der ersten Formenbauer garantierte die Rheinfelder Firma die 100prozentige Austauschbarkeit sämtlicher Formeinsätze. Bereits 1997 wurde die H. Plüss AG nach ISO zertifiziert. Im Wissen um die Wichtigkeit bestens geschulter Mitarbeiter wird der stetigen Weiterbildung höchste Priorität beigemessen. Seit 1995 werden CAD-Konstruktionen im Haus gefertigt und die Daten online an die CNC-Maschinen übertragen.

Im Herbst 2005 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit, der langjährige Betriebsleiter Walter Brogli, kurz vor seiner Pensionierung, nach knapp fünfzig Dienstjahren im Betrieb. Er war mitverantwortlich für die Entwicklung des Handwerksbetriebes zur Spezialfabrik für High-End-Formen. Walter Brogli hatte noch geholfen, seinen Nachfolger, Manfred Hauber, einzuarbeiten. Auch in Herrn Hauber hat die Firma einen ausserordentlich fachkundigen Verantwortlichen für die Leitung der Fabrikation gefunden.